Borreliose ist eine ernstzunehmende Erkrankung!
Im deutschsprachigen Raum und in Europa ist eine zunehmende Verbreitung der Zecken festzustellen. Das Hauptrisiko geht von dem sog. Holzbock aus (Lyme-Borreliose durch einen Zeckenstich, bei dem Bakterien übertragen werden), der überall in Europa anzutreffen ist. Aber auch andere Zeckenarten – wie z.B. die sich schnell vermehrende Auwaldzecke - stehen unter Beobachtung.
Selbsthilfegruppen schätzen, dass ca. 500.000 bis 600.000 Menschen in Deutschland bereits chronisch von Borreliose betroffen sind. Jährliche Neuerkrankungen: 50.000 bis 100.000.
Der Auslöser dieser heimtückischen Infektionskrankheit sind Bakterien namens Borrelien, die durch einen Zeckenstich in die menschliche Blutbahn gelangen. Wird die Borreliose nicht rechtzeitig erkannt, kann die Infektion chronische Gelenkbeschwerden verursachen, aber auch den Herzmuskel schädigen. Im Gegensatz zur ebenfalls durch Zeckenbiss übertragenen Frühsommermeningoenzephalitis (ein Virus, kurz FSME), kann man sich bisher noch nicht gegen Borreliose impfen lassen. Deshalb ist es besonders wichtig, die Krankheit frühzeitig zu erkennen.
Borreliose (Bakterienübertragung durch einen Zeckenbiss bzw. –stich):
- Die wichtigsten Erreger der Borreliose, Borrelia burgdorferi, Borrelia garinii und Borrelia afzelii (3 Borrelienstämme / Spiralbakterien) sind mit dem Syphiliserreger Treponema pallidum eng verwandt.
- Nach der Infektion verbreitet sich der Erreger in fast alle Organe, darunter auch die Gelenkinnenhaut.
- Die Krankheit gleicht einem „Chamäleon“ und stellt hohe Anforderungen an Diagnostik und die Therapie.
Während der Generalisierungsphase beginnt das körpereigene Immunsystem den Erreger zu bekämpfen. Antikörper (Abwehrstoffe) werden gebildet und auch die zelluläre Immunantwort (weiße Blutkörperchen) reduziert die Anzahl der Borrelien drastisch. Die Borrelien überleben i.d.R. nur an den Stellen im Körper, die vom Immunsystem schlecht erreicht werden können, wie etwa das Bindegewebe. Dort sind sie auch für Antibiotika schlecht erreichbar. Hier überdauern die Borrelien in geringer Zahl und können in unregelmäßigen Abständen zum Wiederaufflammen von Krankheitssymptomen führen. Diese können Monate bis Jahre nach Infektionsbeginn auftreten. Die Borrelien haben eine deutlich erhöhte Überlebenschance und sind damit eine besonders ernstzunehmende Infektion, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Zudem sind die Borrelien eine sehr „intelligente“ Spezies von Bakterien, die es verstehen, die Immunabwehr gezielt zu „täuschen“.
Es ist wichtig, Borrelien-Infektionen frühzeitig zu erkennen. Je frühzeitiger erkannt, desto einfacher sind die Behandlungsmaßnahmen (i.d.R. nur Antibiotika) und desto kürzer ist der „Leidensweg“ der betroffenen Patienten.
So können Sie eine Borreliose feststellen – anhand der Symptome und Beschwerden nach den 3 Stadien, in denen diese Erkrankung typischerweise verläuft (Zeitangaben nach Zeckenstich):
(1) Stadium I
(Akut: nach Tagen bis Wochen): „Wanderröte“ („Erythema chronicum migrans“, nur in 40 - 70% der Fälle), Borrelien-Lymphozytom, Kopfschmerz, Fieber, Schweißausbrüche, „Sommergrippe“ (ca. 20% der Fälle), Erschöpfungszustände, Gesichtsnervenlähmung (insbesondere bei Kindern/Schulkindern).
(2) Stadium II
(akute Organmanifestation: nach Wochen bis Monaten): Entzündungen von Gehirn, Hirnhäuten, Rückenmark, sämtlicher Nerven im gesamten Körper, Gelenkentzündungen („Arthritis“), Gelenk- und Muskelschmerzen, Entzündungen von Augen, Leber und Nieren, Herzmuskelentzündung, Herzbeutelentzündung, Herzrhythmusstörungen.
(3) Stadium III
(Chronisch: nach Monaten bis Jahren): Zigaretten-papierartige Hautverdünnung am Handrücken („Acrodermatitis chronica atrophicans“), Borrelien-Lymphozytom (Ohr, Nase, Hodensack), Antriebsarmut, Sensibilitätsstörungen, Bewusstseinstrübungen, Muskelentzündungen, Gelenkentzündungen und -Schwellungen, Sehnen-Entzündungen, Schleimbeutel-Entzündungen, Blutgefäss-Entzündungen, Herzmuskelerkrankungen, Depression.
Im Gegensatz zu einer klassischen organischen Erkrankung treten die Krankheitssymptome bei Borreliose in Schüben mit wechselnder Intensität und Lokalität auf. Viele Patienten haben während ihrer Schübe auch leichtes Fieber. Co-Infektionen mit anderen Bakterien und Viren nehmen seit Jahren stark zu und führen zu komplizierenden Krankheitsverläufen. Oft wird der Zeckenbiss nicht frühzeitig erkannt oder die Akutbehandlung durch den Hausarzt ist nicht ausreichend. Die dann chronisch an Borreliose Erkrankten durchleben ein wahres „Martyrium“, denn neben den tatsächlichen körperlichen und mentalen Beschwerden leiden sie daran, dass sie keine zuverlässige Diagnose erhalten oder ihre Erkrankung nicht ernst genommen wird.
Es gibt drei Hauptgründe, warum eine Borreliose-Infektion zunächst in der Praxis nicht erkannt wird und deshalb eine frühzeitige Behandlung unterbleibt:
- Es tritt keine Wanderröte („Erythema chronicum migrans“) auf! Auswertungen belegen, dass dieses klassische auf eine Borreliose hinweisende Symptom jedoch nur bei 40% bis max. 70% der Fälle auftritt.
- Es wurde kein Zeckenstich festgestellt! Ein solcher Biss kann bereits durch sehr kleine Zecken verursacht werden (Larven). Oder er wurde nicht erkannt, weil keine spezifische Hautreaktion auftrat. Zudem geht die Literatur inzwischen davon aus, dass die Borrelien auch durch infizierte Insekten übertragen werden können.
- Es wurden nur konventionelle Blutuntersuchungen durchgeführt. Diese waren entweder verfrüht (erst nach bis zu 6 Wochen nach dem Zeckenbiss reagiert der Antikörpertests positiv), es fand überhaupt keine Antikörperproduktion im Körper statt oder es wurde die zelluläre Ebene gar nicht bzw. nicht ausreichend mit abgetestet (notwendig sind: Elispot®-LTT + CD3-/CD57+Zellen).
Es geht nicht nur um Borreliose: Co-Infektionen mit anderen Bakterien (Ehrlichien, Babesien, Bartonellen, Rickettsien, Chlamydien und Mykoplasmen) und Viren werden zunehmend häufiger und führen zu komplizierten Krankheitsverläufen.
Interessante Links für Patienten und Ärzte:
Patientenorganisation mit weiterführenden Hinweisen zu Selbsthilfegruppen:
Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. (www.borreliose-bund.de)
BZK – Bundesverband Zecken-Krankheiten e.V. (www.bzk-online.de)
Ärzte-Organisationen:
Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. (www.borreliose-gesellschaft.de)
ILADS – International Lyme and Associated Diseases Society (www.ilads.org)
IDSA – Infectious Diseases Society of America (www.idsociety.org)
Gerade in schwierigen Krankheitsfällen sollte die Behandlung/Therapie der chronischen Borreliose und von Co-Infektionen nicht nur auf Medikamente (i.d.R. hoch dosierte Antibiotika / evtl. wechselnde Präparate) beschränkt werden, sondern bedarf nach den Therapierichtlinien von J.R. Burrascano (ILADS) einer umfassenden Unterstützung durch flankierende „Begleittherapien“, Ernährungsumstellung, ausgesuchter Nahrungsergänzung und einer notwendigen Lebenstiländerung des Patienten („Selbsthilfe“). Oft wird verkannt, dass neben den Borrelien (Erreger) auch die chronischen Entzündungen parallel behandelt werden müssen.
Leider sind die Krankenkassen bislang nur sehr beschränkt bereit, solche „Begleittherapien“ und „Nahrungsergänzungsprodukte“ voll bzw. teilweise zu erstatten. Zudem belegt unsere Praxiserfahrung, dass die Patienten für die „Selbsthilfe“ in den meisten Fällen der Anleitung bedürfen (inkl. Coaching zur Mentalbetreuung).
Hinweis: Der behandelnde Arzt kann im Rahmen der ärztlichen Leistungen nur Empfehlungen für die Therapie aussprechen. Jedem Patienten ist es freigestellt, die Therapieleistungen und evtl. Nahrungsergänzungsprodukte frei zu beziehen (Apotheke, Hausarzt, Physiotherapeuten, etc.).



